Länger besser leben: Sind Vegetarier gesünder?

Gesundheit
16. Januar 2012
Vegetarier Inhalt

Die europaweiten Forschungen im Rahmen der EPIC-Studie liefern kein eindeutiges Ergebnis zu der Frage, ob der komplette Verzicht auf Fleisch und Fisch das Leben verlängert. Dagegen prognostiziert eine amerikanische Untersuchung Vegetariern eine um vier Jahre längere Lebenserwartung – wenn sie diese Ernährungsweise seit mindestens 20 Jahren pflegen.

 

Obwohl es auch dazu widersprüchliche Erkenntnisse gibt, scheint festzustehen, dass ein hoher Konsum von Rind- und Schweinefleisch, also auch von Wurstwaren und insbesondere von geräucherten bzw. gepökelten Produkten, die so genannte Mortalität um 22 bis 31 Prozent erhöht. Dabei geht es um den Verzehr von durchschnittlich 150 Gramm am Tag, also mehr als dem doppelten der auch sonst von Ernährungsexperten empfohlenen Menge.

Moderate Vegetarier mit Bestwerten

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg begleitet seit 1978 vegetarisch lebende Menschen. Besonders gut schnitt bei den knapp 2.000 Testpersonen in Punkto Gesundheit und Lebenserwartung die als „Moderate Vegetarier“ bezeichnete Gruppe ab, also die Menschen, bei denen gelegentlich mal ein Fleischgericht auf dem Speiseplan steht.

 

Obst, Gemüse und Krebs

Fest steht nach den Erkenntnissen der EPIC-Studie, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum und der damit verbundene Anstieg des Plasma-Vitamin-C-Gehalts im Blut die Lebenserwartung erhöht. Grund dafür ist die Tatsache, dass Vegetarier sehr viel seltener an ernährungsbedingten Krankheiten leiden. Überraschenderweise scheint das jedoch wenig bis keinen Einfluss auf das Entstehen von Krebserkrankungen zu haben. Leicht erhöht wurde bei zu wenig Obst und Gemüse auf der Speisekarte lediglich das Risiko für Karzinome im Verdauungstrakt und in der Lunge. Das Darmkrebsrisiko sei deshalb geringer, weil Vegetarier tendenziell seltener an Übergewicht leiden.

 

Ernährung und Krankheit

Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen, darin stimmen die jeweiligen Studien überein, wird durch falsche Ernährung verursacht. Der Verzicht auf Fleisch allein ist allerdings nicht der Grund, warum es den Vegetariern gesundheitlich besser geht. Der Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln ist nämlich mit einer geringeren Aufnahme schwefelhaltiger Aminosäuren verbunden, die über ihre Abbauprodukte zu einer erhöhten Säurebelastung des Organismus führen.

 

Vegetarier und Osteoporose

Die Zufuhr tierischer Lebensmittel führt dazu, dass der Körper mehr des eigentlich für die Stärkung der Knochen benötigten Calciums ausscheidet. Daher werden die Knochen von Vegetariern nicht so schnell brüchig und die Wahrscheinlichkeit ist geringer, an der gefürchteten Osteoporose zu erkranken.

 

Vegetarier und Cholesterin

Das Universitätsklinikum Leipzig hat die Daten von Mischköstlern und Vegetariern verglichen. Bei beiden Gruppen stieg der Cholesterinspiegel mit dem Alter an und erreichte sein Maximum zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr. Der Anstieg der Werte und die Gesamtkonzentrationen von Cholesterin waren bei Vegetariern deutlich geringer. Daher weisen sie bei der weltweiten Todesursache Nummer 1, den Herz-Kreislauferkrankungen, ebenfalls eine niedrigere Sterblichkeit auf.

 

Vegetarier und der Blutdruck

Vegetarier haben grundsätzlich einen gesünderen Blutdruck, weil sie weniger Kalium und Magnesium, dafür aber mehr Natrium und Phosphor mit der Nahrung aufnehmen. Zudem ist bei ihnen die Funktion bestimmter Zellen besser, die als dünne Schicht auf den Blutgefäßen die Fließgeschwindigkeit des Blutes regulieren.

 

Andere Einflussfaktoren

Für die Tatsache, dass Vegetarier insgesamt länger leben, machen die Wissenschaftler jedoch keinesfalls allein die Ernährung verantwortlich. Letztlich hat auch die EPIC-Studie aus Norfolk, die dem 14-Jahre-länger-leben-Programm der BKK24 zugrunde liegt, bewiesen: Wer wenige oder keine tierischen Produkte isst, lebt insgesamt gesünder. Dazu gehört unter anderem der Verzicht auf das Rauchen und wenig bis gar kein Alkohol. Da zudem auch Bewegung ein Teil der bewussten Lebensart ist, sind Übergewicht oder Adipositas unter dieser Gruppe die absoluten Ausnahmen.
Quellen: EPIC Norfolk Prospective Population Study; Age-dependence of lipid parameters in the general population and vegetarians;

 

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