Beine der Fahrgäste in einem voll besetzten Bus

Venenentzündungen - der heimliche Killer

Es gibt zwei „Spielarten“ der Venenentzündung: einmal die Entzündung der oberflächlichen Venen, die so genannte Phlebitis, und die Entzündung der tiefen Venen, die so genannte Phlebothrombose.

Häufig verursachen Infektionen eine Phlebitis, zum Beispiel nach einer Verletzung oder einem Insektenstich. Die Entzündungsreaktion an den Gefäßwänden behindert den Blutfluss, die Blutzirkulation kommt zum Stillstand, es bildet sich ein Blutgerinnsel, ein Thrombus, der das Gefäß verstopft.

Ein ausgetüfteltes System

Bei der „Blutsaugearbeit“ hilft den Venen ein Restdruck im Herzen, außerdem entsteht während des Atmens ein Unterdruck im Brustraum, der das venöse Blut anzieht. Das Zusammenspiel von Muskeln und Bewegung unterstützt die Venen: Ein angespannter Muskel drückt die jeweils dazwischenliegende Vene zusammen und das Blut wird herzwärts gepresst. Dadurch fällt der Druck in der entleerten Vene und es wird weiteres Blut nachgesaugt. So pumpen die Beinmuskeln den Blutfluss regelmäßig zurück zum Herzen und schaffen stabile Kreislaufverhältnisse. Indirekt wirken auch die Arterien auf den Rücktransport des Blutes ein. Die Schwingungen der Arterien, die dicht neben den Venen verlaufen, übertragen sich auf die Venenwände und drücken die Venen zusammen – so fließt das Blut auch dann zurück, wenn wir die Muskelpumpe nicht betätigen.

Eine Konstruktion, die genial angelegt ist. Doch der menschliche Körper hat sich offensichtlich noch nicht der Zivilisationserscheinung „Bewegungsmangel“ angepasst. Die Blutflussverhältnisse verschlechtern sich durch einen typischen Alltag mit Büro- und Fernsehsitzerei und durch stundenlanges Stehen. Die Beine beginnen schnell zu schmerzen, weil der Blutkreislauf nicht ideal funktioniert. Damit ist Bewegungsmangel einer der wichtigsten Gründe für Venenerkrankungen.

Eigentherapie nicht empfehlenswert!

Es ist nicht empfehlenswert, selbst an dem betroffenen Bein herumzudrücken und zu massieren. Eine Phlebitis gehört in die Hand eines Arztes. Die Behandlung der Venenentzündung erfolgt in der Regel mit Alkoholumschlägen und Einreibungen mit Heparinsalbe, bei einer Venenentzündung der Beine zudem mit einem Kompressionsverband. Die Wirkung erhöht sich noch, wenn das umwickelte Bein hoch gelagert wird. Oberflächlich gelegene Thromben können durch eine kleine Stichinzision entfernt werden. Wiederholt sich das Problem, sollten die Krampfadern operativ entfernt oder verödet werden.

Entzündung oft tief im Bein verborgen

Eine tiefe Venenentzündung (Phlebothrombose) weist zunächst ähnliche Symptome auf wie die Phlebitis. Vor allem durch das schmerzende Bein kündigt sie sich an. Allerdings ist die betroffene Vene hier meist nicht zu tasten, da sie tiefer im Bein gelegen ist. Nicht selten ist die Haut bläulich bis rötlich verfärbt, die Beine weisen unterschiedlichen Umfang auf und das betroffene Bein ist überwärmt.

Meist wirken drei Ursachen bei einer Thrombose zusammen: Gefäßwandveränderungen, vor allem durch Entzündungen und Operationen, Veränderungen der Blutströmung, die vor allem bei Bettlägerigkeit und bei Lähmungen auftreten, und Veränderungen der Blutzusammensetzung, die zu einer erhöhten Blutgerinnbarkeit führen. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht und eine angeborene gesteigerte Blutgerinnbarkeit, aber auch ein Abknicken der Venen etwa durch langes Sitzen mit angewinkelten Knien,oder ein Blutrückstau bei Krampfaderleiden.

Bei Verdacht sofort zum Arzt!

Die tiefe Venenentzündung erfordert schnellstes Eingreifen des Arztes. Denn als lebensgefährliche Komplikation droht eine Lungenembolie, falls der Blutpfropf in die Arterien gespült wird. Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland trotz intensiver Bemühungen weit mehr als 100.000 Lungenembolien. Etwa 25.000 bis 30.000 von ihnen verlaufen tödlich.

Mit Risikokalkulation vorbeugen

Zur Akutbehandlung bei einer Venenthrombose werden – bei strenger Bettruhe – vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Heparin verabreicht, um eine weitere Blutgerinnung zu unterbinden. In hartnäckigen Fällen muss der Thrombus medikamentös aufgelöst oder gar operativ entfernt werden.

Doch ein erhöhtes Risiko bleibt. Jeder fünfte Patient muss mit dem Auftreten einer weiteren Thrombose im Verlauf der nächsten fünf Jahre rechnen. Betroffene sollten daher Kompressionsstrümpfe oder einen Kompressionsverband tragen.

Frauen, die älter als 35 sind und mit der „Pille“ verhüten, sollten zur Vorbeugung einer Thrombose über andere Verhütungsmethoden nachdenken. Denn gerade die Pille fördert die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Und neben der „Pille“ noch zu rauchen kann ein fataler Leichtsinn sein.

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