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Passivraucher leben gefährlich

Bei der Erforschung der Gesundheitsheitsverhalten, die über unsere Lebenserwartung entscheiden, legen die EPIC-Wissenschaftler weder den Naschkatzen noch den Wein- oder Biertrinkern die "Daumenschrauben" an. Etwas zu viel Gewicht und das ein oder andere Gläschen Reben- oder Gerstensaft sind auch dann erlaubt, wenn man bei bester Gesundheit ein möglichst hohes Alter erreichen möchte. Nur bei einem Thema kennen sie keine Toleranzgrenze:

Tabakrauch wird von den über viele Jahre hinweg geführten Statistiken als erbarmungsloser "Killer" entlarvt – ganz egal, ob man ihn gewollt inhaliert oder ob man als Passivraucher nur die Ausdünstungen einatmet.

Die Statistiken für Deutschland

Die offiziellen Zahlen des Deutschen Krebsforschungszentrums zu den Auswirkungen des Passivrauchens sprechen eine deutliche Sprache:

  • Mehr als 60 Säuglinge sterben pro Jahr an den direkten Folgen des Zigarettenrauchens zuhause oder ihrer Mütter während der Schwangerschaft.
  • Mehr als 300 Passivraucher sterben an Lungenkrebs oder anderen Lungenerkrankungen.
  • Alle zwölf Monate erliegen rund 800 Menschen einem Schlaganfall, der direkt auf das Passivrauchen zurückzuführen ist.
  • In 2.140 Fällen je zwölf Monate sieht die Statistik das ungewollte Inhalieren von Tabakqualm als Ursache für tödlichere Herzerkrankungen.

Die Risiken der Passivraucher

Beim Rauchen werden etwa 85 Prozent der Schadstoffe, darunter Blausäure, Ammoniak, Formaldehyd, Kadmium und mindestens 40 krebsauslösende Substanzen, mit dem so genannten "Nebenstromrauch" frei gesetzt. Diese durch glimmende Zigaretten entstehenden Qualmwölkchen sind weitaus gefährlicher als das, was der Raucher selbst einatmet. Die EPIC-Forscher sehen sogar 400 Prozent mehr Giftstoffe im Nebenstromrauch als im direkt inhalierten Tabakqualm. Das sind vor allem:

  • Die fünffache Menge Cadmium
  • Bis zu vierzig Mal mehr Nitrosamine
  • Die bis zu siebzigfache Menge Ammoniak
  • Fünfzehn Mal mehr Benzol
  • Mehr als die dreifache Menge Kohlenmonoxyd

Schlimm: Auch gutes Lüften hilft meistens nur wenig, weil die mit dem Tabakrauch freigesetzten giftigen Substanzen in Polstern, Gardinen und sogar in der Kleidung hängenbleiben. Sogar die Jacke, die man beim Rauchen auf dem Balkon oder vor der Haustür getragen hat, gibt diese tödlichen Partikel anschließend an die Raumluft ab.

  • Sofortwirkungen auf Passivraucher

    Zu den Sofortwirkungen des Passivrauchens in geschlossenen Räumen gehören neben tränenden und brennenden Augen Reizungen der Schleimhäute und Atemwege. Selbst nach kurzzeitigem Inhalieren der Schadstoffe können Hustenanfälle, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindelanfälle die Folge sein.
  • Gefahren für die Atemwege

    Der aus gasförmigen Substanzen und mikroskopisch kleinen "Feinstaub-Partikeln" bestehende Zigarettenqualm dringt bis tief in die Lunge vor und kann dort zu erheblichen Gewebeschäden führen. 80 bis 90 Prozent aller Lungenerkrankungen werden nach Erkenntnissen des Deutschen Krebsforschungszentrums durch das Passivrauchen ausgelöst. An der schlimmsten von ihnen, der chronischen-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), sterben jedes Jahr auch etwa zwei Prozent aller Nichtraucher, die sich zuvor mit Rauchern in geschlossenen Räumen aufgehalten hatten.
    • Das Asthmarisiko steigt um 40 bis 60 Prozent
  • Hohe Todesraten durch Herz-Kreislauferkrankungen

    Wer sich regelmäßig in Tabak vernebelten Räumen aufhält, geht damit ein beinahe ebenso hohes Gesundheitsrisiko ein wie der Raucher selbst. Mindestens 2.140 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einer durch Passivrauchen ausgelösten koronaren Herzkrankheit. Diese Verengung der Herzkranzgefäße ist direkt auf den Qualm zurückzuführen. Dazu kommen 770 Schlaganfall-Tote, die auf das Konto des Passivrauchens gehen.

    • Das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung steigt um 25 Prozent
    • Das Herzinfarktrisiko steigt um 32 Prozent
    • Das Schlaganfallrisiko steigt um 82 Prozent
    • Nach Erkenntnissen der Forschungsinstitute, die sich an der europaweiten EPIC-Studie beteiligen, reichen 30 Minuten in einer tabakgeschwängerten Umgebung aus, um den Blutfluss im Herzen eines Nichtrauchers zu reduzieren!
  • Krebs durch Passivrauchen

    Jeder Passivraucher hat ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Nachgewiesen sind inzwischen aber auch Zusammenhänge mit dem Entstehen von Brust-, Gebärmutterhals- und Nasennebenhölenkrebs. Das Krebsrisiko steigt mit der Zeit, die Nichtraucher den Tabakdünsten ausgesetzt sind. Das Lungenkrebsrisiko steigt nach Erkenntnissen der Forschungsinstitute um 20 bis 30 Prozent. Diese Zahl wurde jetzt auch im Rahmen der EPIC-Studien bestätigt, bei der 55 Forschungsergebnisse aus aller Welt zusammengefasst worden sind. Besonders schlimm (27 Prozent) war das zusätzliche Risiko für Nichtraucher in einem Wohnumfeld mit Rauchern.

Die Risiken des Passivrauchens für Kinder

Im frühen Stadium ihrer Entwicklung sind Kinder besonders anfällig für die Risiken des Passivrauchens und reagieren auf die Giftstoffe im Tabakqualm deutlich anfälliger, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Die Gefahren zusammengefasst:

  • Höheres Risiko einer Frühgeburt bei Nikotinkonsum während der Schwangerschaft
  • Niedrigeres Geburtsgewicht
  • Höhere Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kindstodes (SIDS)
  • Höheres Risiko für chronische Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und Bronchitis
  • Höheres Risiko für Atemwegserkrankungen und das Entstehen von Asthma

Was bringt Nikotinverzicht in der Schwangerschaft?

Nur ein Drittel der Raucherinnen schafft es, mit dem Beginn der Schwangerschaft auf Zigaretten zu verzichten. Da noch bis zu einem Viertel aller werdenden Mütter während der neun Monate im Durchschnitt etwa 13 Zigaretten am Tag konsumiert, sind jährlich etwa 170.000 Kinder bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Die giftige Kombination aus Nikotin und Kohlenmonoxyd verhindert dabei zum Beispiel die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff. Abbauprodukte des Rauchs lassen sich bereits im allerersten Urin nachweisen, der noch vor der Geburt gebildet wird. Wer dagegen in den ersten drei Monaten aufhört, kann das Risiko einer Frühgeburt um die Hälfte und das einer Todgeburt um ein Drittel reduzieren. Dazu steigen die Chancen, ein normalgewichtiges und mit vollständig entwickelten Lungen ausgestattetes Baby auf die Welt zu bringen.

Gefahren für Säuglinge und Kinder

Etwa die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren und sogar zwei Drittel aller Kinder zwischen sechs und 13 Jahren wächst in Haushalten auf, in denen mindestens eine Person raucht. Im Klartext bedeutet das: Täglich sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Kinder dem Qualm ausgesetzt. Eine Tatsache, die das Deutsche Krebsforschungszentrum mit einer Körperverletzung gleichsetzt.

Wenn Säuglinge häufig dem Tabakrauch ausgesetzt sind, steigt das Risiko für den plötzlichen Kindstod um das Zweieinhalbfache. Kinder aus Raucherhaushalten leiden deutlich häufiger an Erkrankungen der Atemwege mit zum Teil chronischen Verlauf, bis hin zu verminderter Lungenfunktion oder allergischen Reaktionen.

Selbst bei Kindern zählt das Passivrauchen schon für ihr späteres Lungenkrebsrisiko und vermutlich auch für das Risiko anderer Krebserkrankungen mit. Laut einer der EPIC-Studien, für die Lebensläufe von rund 300.000 Personen herangezogen wurden, steigt das Krebsrisiko für Kinder um ein Drittel, wenn beide Elternteile rauchen!

Die Experten schließen nicht einmal aus, dass Rauchen in der Umgebung der Kinder auch mit zu den Ursachen späterer Verhaltensstörungen führt.