Jedes Jahr sind rund 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen – Tendenz steigend, vermeldet die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Statistisch gesehen benötigen vier von fünf Menschen mindestens einmal in ihrem Leben Hilfe in diesem Feld. Sich den mentalen Belastungen im Leben nicht mehr gewachsen zu fühlen, ist keine Schande – und definitiv kein Einzelfall. Wie aber sollte man handeln, um passende Hilfe zu bekommen?
Schlaflose Nächte, ständige Erschöpfung, Grübelschleifen oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren: Psychische Belastungen gehören für viele Menschen zum Alltag. Manchmal gehen sie nach einer stressigen Phase wieder vorbei. Manchmal bleiben sie jedoch bestehen – und beginnen, Beziehungen, Arbeit oder das eigene Wohlbefinden dauerhaft zu beeinträchtigen.
Trotzdem zögern viele Betroffene, sich Hilfe zu suchen. Manche fragen sich, ob ihre Probleme „schlimm genug“ für eine Psychotherapie sind. Andere haben Sorge vor Stigmatisierung oder fühlen sich vom Gesundheitssystem überfordert. Hinzu kommen Berichte über lange Wartezeiten auf Therapieplätze.
Psychische Belastungen gehören zum Leben. Trauer nach einem Verlust, Stress in Prüfungsphasen oder Sorgen in schwierigen Lebenssituationen sind zunächst normale Reaktionen. Entscheidend ist, wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, wie lange sie anhalten und ob sie den Alltag einschränken.
Eine Psychotherapie kann sinnvoll sein, wenn:
Viele Menschen verbinden Psychotherapie vor allem mit Depressionen. Tatsächlich wird sie jedoch bei sehr unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und Belastungen eingesetzt. Dazu gehören Angststörungen, Burnout, Essstörungen, Traumafolgestörungen, psychosomatischen Beschwerden und chronischer Stress.
Auch belastende Lebensereignisse können Anlass sein, Unterstützung zu suchen: etwa Trennungen, Pflegebelastung, familiäre Konflikte oder starke berufliche Überforderung.
Diese Frage stellen sich viele Menschen. Die kurze Antwort lautet: Niemand muss völlig am Ende sein, um sich Unterstützung zu holen. Je früher Belastungen ernst genommen werden, desto besser lassen sich chronische Verläufe verhindern. Gleichzeitig braucht nicht jede belastende Lebensphase automatisch eine psychotherapeutische Behandlung.
Entscheidend ist weniger, wie „schlimm“ etwas von außen wirkt, sondern ob psychische Belastungen über längere Zeit den Alltag, das Wohlbefinden oder die eigene Handlungsfähigkeit beeinträchtigen.
Auch zur Wahrheit gehört: Psychotherapie ist keine „Auszeichnung“ für besonders schweres Leid – aber auch kein Allheilmittel für jede Form von Unzufriedenheit oder Alltagsstress.
Was Angehörige tun können
Oft bemerken Familie oder Freundeskreis Veränderungen früher als Betroffene selbst. Wichtig ist, Unterstützung anzubieten, ohne zu drängen oder Diagnosen zu stellen.
Hilfreiche Sätze können sein:
Nicht hilfreich sind dagegen Aussagen wie „Reiß dich zusammen“ oder „Andere haben es noch schlimmer“.
Der Weg zu psychischer Hilfe kann, muss aber nicht über Hausarzt oder Hausärztin laufen. Für die meisten Menschen ist eine allgemeinmedizinische Einschätzung der Beschwerden hilfreich. Eine Überweisung ist für eine Psychotherapie jedoch nicht notwendig.
Der erste verpflichtende Schritt führt seit 2017 in die psychotherapeutische Sprechstunde. Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung nennt unter der Telefonnummer 116 117 (ohne Vorwahl) dazu Anschriften und Telefonnummern von Vertragstherapeut*innen. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Ersttermin hat sich durch diese Zentralisierung laut Befragungen von 12,5 auf 5,7 Wochen reduziert.
Danach kann die gezielte Suche nach einem regulären Therapieplatz beginnen – die nach wie vor oft lange dauert. Listen von Therapeut*innen samt Telefonnummern finden sich z. B. auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes (Suchbegriff: „Psychotherapeutenauskunft“ plus eigenes Bundesland).
Tipp: Um lange Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken, arbeitet die BKK24 mit dem KOMPASS-Programm.
Viele Menschen erleben lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Das hat mehrere Gründe und betrifft nicht nur einzelne Regionen. Zum einen nehmen psychische Erkrankungen seit Jahren zu. Das liegt sicher zum Teil an gestiegenen Belastungen in einer zunehmend von Krisen beherrschten Zeit. Gleichzeitig sprechen Menschen heute offener über Depressionen, Angststörungen, Erschöpfung und andere psychische Probleme und suchen häufiger professionelle Hilfe. Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dürfen gesetzlich Versicherte jedoch nicht automatisch zulasten der gesetzlichen Krankenkassen behandeln. Dafür benötigen sie eine Kassenzulassung, auch „Kassensitz“ genannt. Die Zahl der Kassensitze ist begrenzt.
Wie viele dieser Kassensitze es in einer Region gibt, wird über Bedarfsplanungen geregelt. Seit vielen Jahren wird kritisiert, dass diese Planungen den tatsächlichen Bedarf vielerorts nicht mehr ausreichend abbilden – insbesondere in Großstädten, aber auch in ländlichen Regionen.
Krankenkassen dürfen die Zahl der Kassensitze nicht allein festlegen. Diese wird im Gesundheitssystem gemeinsam mit weiteren Institutionen geregelt.
Die BKK24 übernimmt die Kosten für wissenschaftlich anerkannte Psychotherapie bei zugelassenen Therapeutinnen und Therapeuten.
Viele Menschen wissen nur ungefähr, was in einer Psychotherapie passiert. Das kann Unsicherheit auslösen.
Grundsätzlich geht es darum, belastende Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster besser zu verstehen und neue Wege im Umgang damit zu entwickeln.
Psychotherapie besteht nicht einfach nur aus Reden und schon gar nicht aus der berühmten Couch. Je nach Verfahren werden konkrete Übungen, Verhaltensstrategien oder Methoden zur Emotionsregulation eingesetzt.
Zu Beginn finden meist sogenannte probatorische Sitzungen statt. Dort lernen sich Therapeut*in und Patient*in kennen.
Dabei wird gemeinsam besprochen:
Gerade dieser persönliche Eindruck ist wichtig. Eine gute therapeutische Beziehung gilt als entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg.
Passt alles, wird ein Antrag zur Kostenübernahme an uns als Krankenkasse gestellt. Das übernimmt die Therapiepraxis.
Vor der regulären Abrechnung muss die Behandlung bewilligt werden. Dabei wird geprüft, ob die gesetzlichen und leistungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erfüllt sind. Je nach Therapieform und beantragtem Umfang kommt es zu einem Gutachterverfahren. Dabei beurteilen unabhängige fachliche Gutachter*innen anonymisiert, ob die beantragte Psychotherapie medizinisch notwendig, nachvollziehbar begründet und entsprechend der geltenden Richtlinien geeignet ist. Die behandelnde Praxis informiert in der Regel über das Verfahren und unterstützt bei den notwendigen Unterlagen.
Ist der Antrag bewilligt, läuft die Abrechnung wie übliche medizinische Behandlungen über die Gesundheitskarte.