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Unter dem Trendbegriff „Sleepmaxxing“ versprechen vor allem Influencer*innen in den sozialen Medien Tipps und Tricks für besseren Schlaf. Einer davon ist Mouth Taping: Ein kleines Pflaster über dem Mund soll nachts dafür sorgen, dass man durch die Nase atmet. Der einfache Schlaf-Hack soll für weniger Schnarchen, besseren Schlaf, mehr Sauerstoff und sogar für eine bessere Erholung sorgen. Susanne Reerink, Dozentin für „Atmung“ am Institut Schlaffhorst-Andersen und Gast im BKK24-Podcast „einfach gesund!“, berichtet von vielen Erfolgen aus ihrer Praxis. Andere Expert*innen mahnen zur Vorsicht. Was ist, rein wissenschaftlich betrachtet, dran an den Versprechen – und wann kann das nächtliche Zukleben des Mundes sogar problematisch werden?

Ein Pflaster als Schlaf-Hack

Ein schmales Gewebeband – wahlweise teures Spezialprodukt oder einfaches Heftpflaster – fixiert über Nacht mittig Ober- und Unterlippe. Die Idee hinter Mouth Taping klingt zunächst plausibel: Wer nachts durch den Mund atmet, wird von einem Pflaster dazu gebracht, die Lippen geschlossen zu halten und stattdessen durch die Nase zu atmen.

Dieses Ziel hat einen physiologischen Hintergrund. Nasenatmung gilt als gesünder als Mundatmung. Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Atemluft. Außerdem bildet die Nasenschleimhaut Stickstoffmonoxid (NO), das unter anderem an der Regulation der Gefäßweite beteiligt ist. 

Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch ableiten, dass ein zugeklebter Mund für gesünderen Schlaf oder eine bessere Sauerstoffversorgung sorgt.

Hier lohnt sich ein Blick auf die wissenschaftlichen Daten. Denn die sind weniger eindeutig, als es viele Social-Media-Videos vermuten lassen.

Das sagt die Wissenschaft über Mouth Taping

Die Praxis des Mouth Taping ist jung, aber keineswegs eine Erfindung von TikTok. Die Idee, den Mund nachts mit einem Pflaster geschlossen zu halten, um die Nasenatmung zu fördern, tauchte bereits in den 2010er-Jahren in Ratgebern auf und wurde im Umfeld von Atemtrainings und populären Büchern bekannter. Mittlerweile wird das Hashtag #Mouthtaping in den sozialen Medien millionenfach aufgerufen. 

Ausreichend wissenschaftlich untersucht ist das nächtliche Mundzukleben noch nicht. Bisher gibt es einige kleinere Studien, die zu interessanten Ergebnissen kommen. 

In einer Untersuchung mit 20 Menschen mit leichter obstruktiver Schlafapnoe, die im Schlaf überwiegend durch den Mund atmeten, verringerte sich durch Mouth Taping nach einer Woche sowohl der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) als auch das Schnarchen. Der AHI beschreibt, wie häufig es pro Stunde Schlaf zu Atemaussetzern oder deutlich vermindertem Atemfluss kommt.

Das klingt vielversprechend, ist aber noch kein Beleg dafür, dass Mouth Taping generell eine sinnvolle Behandlung bei Schlfapnoe ist. Dazu war die Studie zu klein, dauerte nur kurze Zeit und beschränkte sich gezielt auf Menschen, die gut durch die Nase atmen konnten und die Maßnahme tolerierten. Und schon gar nicht beweist die Untersuchung, dass alle sich für besseren Schlaf nachts den Mund zukleben sollten. 

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Wirkung keineswegs bei allen Menschen gleich ist. In einer Studie mit 54 Personen mit obstruktiver Schlafapnoe verbesserte sich der Luftstrom bei manchen durch das Schließen des Mundes. Bei einer Gruppe mit einer ausgeprägten Verengung im Bereich des weichen Gaumens verschlechterte er sich dagegen. 

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete zehn Studien mit insgesamt 213 Teilnehmenden aus. Zwei Untersuchungen zeigten Verbesserungen bei bestimmten Messwerten der Schlafapnoe; andere fanden keinen entsprechenden Effekt. Die Autor*innen kommen insgesamt zu dem Schluss, dass die Datenlage für einen breiten Einsatz von Mouth Taping nicht ausreicht.

Für gesunde Menschen ohne Schlafatemstörung („Sleepmaxxing“) gibt es bislang keine belastbare Evidenz dafür, dass Mouth Taping die Schlafqualität oder Erholung verbessert.

Besser schlafen, mehr Sauerstoff, gesünder sein?

Versprechen wie diese machen Mouth Taping zum Trend. Behauptet werden unter anderem tieferer Schlaf, weniger Müdigkeit am nächsten Morgen, bessere Sauerstoffversorgung oder eine stärkere Erholung. Selbst von kosmetischen Vorteilen ist manchmal die Rede, etwa weniger Faltenbildung und Doppelkinn. 

Für diese weitreichenden Effekte gibt es bislang jedoch keine wissenschaftlich überzeugenden Belege. 

Wer regelmäßig laut schnarcht, Atemaussetzer hat oder trotz ausreichender Schlafdauer tagsüber ungewöhnlich müde ist, sollte deshalb nicht einfach zum Klebeband greifen. Diese Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden. Fundierte Hinweise, ob es sich bei Ihren Beschwerden um eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe handelt, liefert Ihnen beispielsweise die App Snorefox. Diese ist als Extraleistung für Versicherte der BKK24 kostenlos. 

Ist Mouth Taping gefährlich?

Im Gegensatz zu einigen anderen Praktiken im Bereich „Sleepmaxxing“ oder auch dem artverwandten „Longevity“ gibt es bisher keine Berichte von Todesfällen oder ernsthaft gesundheitsschädigenden Auswirkungen. Das ist freilich kein Beleg dafür, dass Mouth Taping im persönlichen Fall nicht gefährlich werden könnte. 

Der entscheidende Punkt beim Mouth Taping ist: Wer nachts durch den Mund atmet, tut das nicht ohne Grund. Bei manchen Menschen mag das nur eine Angewohnheit sein. Andere wechseln im Schlaf zur Mundatmung, weil die Nasenatmung erschwert ist – etwa durch eine verstopfte Nase, Allergien, eine anatomische Verengung oder andere Probleme der oberen Atemwege. Wird der Mund in dieser Situation verschlossen, fällt ein möglicher Ausweichweg weg. Unter Umständen könnte der Körper dadurch schlechter statt besser mit Sauerstoff versorgt werden. 

Hinzu kommen ganz praktische Probleme: Klebeband kann die Haut reizen, unangenehm sein oder Angst und Unbehagen auslösen. Vor allem aber sollte eine möglicherweise bestehende Atemstörung nicht durch einen vermeintlich einfachen Schlaf-Hack überdeckt werden.

Was ist also dran am Mouth-Taping-Trend?

Mouth Taping ist weder kompletter Unsinn noch ein medizinischer Wunder-Schlaf-Hack. Erste Studien zeigen, dass das Verschließen des Mundes bei bestimmten Menschen mit leichter Schlafapnoe Vorteile haben könnte. Die Untersuchungen sind jedoch klein und die Ergebnisse nicht auf alle Menschen übertragbar.

Für gesunde Menschen gibt es derzeit keinen überzeugenden Nachweis, dass Mouth Taping den Schlaf verbessert oder allgemein gesundheitsfördernd ist.

Dem gegenüber stehen positive Erfahrungsberichte aus der Praxis wie der von Susanne Reerink. 

Wer Mouth Taping ausprobieren möchte, sollte zunächst sicherstellen, dass die Nasenatmung frei möglich ist. Bei regelmäßigem Schnarchen, Atemaussetzern, ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder einer bekannten Atemwegserkrankung sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.

Einfacher Alltagstipp

Wer seine Nasenatmung fördern möchte, kann ganz ohne Tape anfangen:

  • Beobachten Sie im Alltag immer wieder, ob Sie gerade durch die Nase oder den Mund atmen.
  • Achten Sie besonders in Ruhe auf eine entspannte Nasenatmung.
  • Ist die Nase häufig verstopft oder das Atmen durch die Nase dauerhaft erschwert, lassen Sie die Ursache abklären.
  • Bei starkem Schnarchen, beobachteten Atemaussetzern oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit: ärztlichen Rat einholen, statt selbst zu experimentieren.

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