Gesunder Schlaf

Guter Schlaf ist keine Glückssache, sondern lernbar. Wir erklären, warum es sich lohnt, für besseres Ein- und Durchschlafen zu sorgen – und wie ein paar einfache Schritte wissenschaftlich fundiert zu besserem Schlaf und damit zu mehr Gesundheit führen. 
[Das gilt in den allermeisten Fällen, aber nicht bei krankhaften Schlafstörungen. Wenn diese Tipps bei Ihnen keine Änderungen zum Besseren bewirken, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt!]

9 schnelle Tipps für einen guten Schlaf:

  1. Wenn Sie nichts an Ihren Schlafumständen ändern, werden Sie weiterhin schlecht schlafen – also: Machen Sie sich änderungsbereit!
  2. Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie morgens um die gleiche Zeit auf, um die biologischen Rhythmen des Körpers aufeinander abzustimmen.
  3. Essen Sie drei Stunden vor dem Schlafengehen keine größeren Mengen. Gehen Sie aber auch nicht hungrig zu Bett.
  4. Trinken Sie drei Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol und vier bis acht Stunden vor dem Schlafengehen keine koffeinhaltigen Getränke.
  5. Schlafen Sie mittags nicht länger als 30 Minuten, ansonsten verringert sich das Schlafbedürfnis am Abend.
  6. Bleiben Sie nicht länger als nötig im Bett. Schlafstörungen können durch zu langes Liegenbleiben verstärkt werden.
  7. Gestalten Sie Ihre Schlafumgebung angenehm und schlaffördernd. Das optimale Raumklima im Schlafzimmer liegt zwischen 16 und 18 Grad bei 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit.
  8. Schaffen Sie sich eine Pufferzone zwischen Alltag und dem Zubettgehen.
  9. Vermeiden Sie helles Licht, wenn Sie nachts wach werden, dies kann die innere Uhr beeinträchtigen.

Warum Schlaf so wichtig für die Gesundheit ist

Unser Schlaf verläuft in einem sich wiederholenden Schlafzyklus, der wichtige Aufgaben für unsere körperliche und mentale Erholung erledigen muss. Obwohl noch nicht alle Funktionen des Schlafs erforscht sind, steht eine Tatsache felsenfest: Schlaf ist für alle Menschen lebensnotwendig.

Unser Schlaf folgt einem bestimmten Profil:

Wachzustand, Einschlafphase mit leichtem Schlaf (meist ca. 15 Minuten, unterbrochen von erneuten Wachphasen), stabiler Schlaf (etwa die Hälfte der Gesamtschlafzeit), Tiefschlaf (Reparatur- und Regenerationsphase, ca. 20% der Schlafzeit) und dann, 60 bis 90 Minuten nach dem Einschlafen, eine erste kurze REM-Schlafphase*. Erwachsene haben eine gesamte REM-Schlafzeit von ca. eineinviertel Stunden. 

Dieser Zyklus wiederholt sich mehrmals pro Nacht, wobei die REM-Schlafphasen* sich im Laufe der Nacht verlängern. Während einer 8-stündigen Nachtruhe durchlaufen wir normalerweise ca. 4 - 7 Schlafzyklen.

* Als REM-Schlaf wird eine Phase hoher Gehirnaktivität bezeichnet, die sich unter anderem an raschen Augenbewegungen („rapid eye movement“) erkennen lässt.

Regeneration für Körper, Immunsystem und Psyche

Schlaf ist weit mehr als ein „Offline-Modus“. Im Schlaf regenerieren sich Zellen. Das Immunsystem wird gestärkt und Hormone regulieren sich. Besonders der Tiefschlaf ist essenziell für die körperliche Erholung. Zu wenig Schlaf führt nachweislich zu einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Wer zu wenig schläft, ist weniger leistungsfähig. Die Merkfähigkeit und die Reaktionszeit nehmen ab. Ausgeschlafene Menschen fühlen sich besser und haben günstigere Voraussetzungen, ihr geistiges Potenzial optimal auszunutzen. 

Schlaf als mentale Reinigung

Eine wichtige Phase im Schlafzyklus ist der REM-Schlaf. Er umfasst wenig mehr als 20 Prozent der Schlafdauer, ist aber enorm wichtig für die geistige und emotionale Gesundheit.  In diesen Phasen verarbeitet das Gehirn Gefühle und Erlebnisse des Tages. Gleichzeitig werden wichtige Informationen ins Langzeitgedächtnis überführt. Fehlt diese Phase regelmäßig, steigt das Risiko für Depressionen, Angststörungen und Konzentrationsprobleme.

Schlaf und Gesundheit in Zahlen

  • Regelmäßig <6h Schlaf pro Nacht erhöhen das Herzinfarktrisiko um ca. 20 %
  • Menschen mit chronischem Schlafmangel haben ein 2-fach erhöhtes Risiko für Burnout
  • 7 – 8 Stunden Schlaf gelten laut WHO als optimal für die Mehrheit der Erwachsenen

Warum sich Schlaf nicht kontrollieren lässt

Schlaf lässt sich nicht erzwingen, nur begünstigen. Er ist ein Zustand, keine Aktion. Einschlafen ist ein Prozess, der vom autonomen Nervensystem und vom Gehirn (Hypothalamus) gesteuert wird. Wer seinen Körper und seine Bedürfnisse versteht, hat es leichter, die richtigen Umstände zu schaffen. 

Bildlich gesprochen können wir dem Schlaf die Tür öffnen – aber hindurch geht dein Körper allein. 

Schlafphasen verstehen (Tiefschlaf, REM, Leichtschlaf)
Der menschliche Schlaf verläuft in Zyklen von ca. 90 Minuten. Ein Zyklus besteht aus Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf. Wichtig ist: Auch Menschen mit komplett gesundem Schlafverhalten wachen mehrmals pro Nacht kurz auf: Sogenannte Mikroerwachen sind normal.

Die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus)
Unsere biologische Uhr orientiert sich am Licht. Tagsüber wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Abends produziert der Körper Melatonin. Künstliches Licht, besonders von Bildschirmen, stört diese natürliche Balance und führt zu Einschlafproblemen.

Besser einschlafen – wie sich der Übergang zur Nacht gestalten lässt

Was Einschlafen erschwert

  • Bildschirmzeit bis kurz vor dem Schlafen
  • Späte Mahlzeiten oder Alkohol
  • Negative Gedanken und Sorgen
  • Zu helle Beleuchtung
  • Leistungsdruck, auch beim Einschlafen

Was du konkret tun kannst

  • 60 Minuten vor dem Schlafen: Licht dimmen, Geräte aus
  • Abendritual etablieren: z. B. Tee, Lesen, leise Musik
  • Journaling: Gedanken schriftlich loswerden
  • Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen

1 Sache, die du heute ausprobieren kannst

„Schreibe vor dem Schlafengehen 3 Dinge auf, die du für heute loslassen darfst.“

Durchschlafen – wie du mit nächtlichem Aufwachen umgehen kannst

Warum wir nachts wach werden

  • Natürlicher Teil des Schlafzyklus (Mikroerwachen)
  • Stress, Ängste oder unbewältigte Gedanken
  • Körperliche Ursachen (Blutzucker, Temperatur, Toilettengang)

Was wirklich hilft

  • Ruhe bewahren, nicht auf die Uhr schauen
  • Atemmuster: 4 Sekunden ein, 6 aus
  • Kurze Visualisierung: eine Welle, die das Bewusstsein sanft auf den Ozean des Schlafes hinausträgt
  • Licht maximal gedimmt halten, kein Handy

Morgens erholt aufwachen – auch ohne 8 Stunden Schlaf

Qualität statt Quantität

Manche Menschen brauchen nur 6,5 Stunden Schlaf, andere 8,5. Entscheidend ist, wie oft du in Tief- oder REM-Schlaf kommst. Die bekannten 90-Minuten-Schlafzyklen helfen bei der Einschätzung der idealen Schlafdauer.

Besser aufwachen lernen

  • Nicht snoozen: Der zweite Einschlafprozess ist flach und „bringt“ nicht mehr viel
  • Licht einlassen: Tageslicht oder spezielle Wecker
  • Direkt Bewegung: z. B. 2 Minuten Dehnen an der frischen Luft am offenen Fenster

Was deinen Schlaf nachhaltig verbessert

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer

Ein fester Rhythmus hilft deinem Körper, sich auf Schlaf vorzubereiten. Auch am Wochenende sollten Aufsteh- und Zubettgehzeit nicht mehr als 60 Minuten abweichen.

Bewegung und Ernährung als Verstärker

  • Tagsüber Bewegung, idealerweise draußen
  • Keine schweren Mahlzeiten nach 19 Uhr
  • Koffein ab 14 Uhr meiden

Eine Weile hieß es, man solle Sport und Bewegung vor dem Zubettgehen vermeiden, um das Einschlafen zu erleichtern. Neuere Studien stellten jedoch fest, dass körperliche Aktivität generell, vor allem aber in den drei Stunden vorm Zubettgehen dem Einschlafprozess förderlich ist. Bewegung steigert die Schlafqualität und erhöht den Anteil der Tiefschlafphasen. 

Mentale Einstellung zum Schlaf verändern

  • Akzeptiere Aufwachen als Teil des Schlafs
  • Nicht "funktionieren müssen", sondern erholen dürfen
  • Keinen Druck erzeugen – Schlaf kann man nicht erzwingen

Fazit – gesunder Schlaf ist gestaltbar

Guter Schlaf beginnt nicht im Bett, sondern im Kopf. Wer versteht, was den eigenen Schlaf beeinflusst, kann mit kleinen Impulsen Großes bewirken. Es braucht keine Perfektion – nur Bereitschaft, Dinge bewusst zu verändern.


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