Muss es immer "Bio" sein?

Eigenes Gemüse aus dem Garten ist eine super Sache! Die Arbeit an der frischen Luft bringt eine Menge gesundheitliche Vorteile. Wer sein Essen selbst anbaut, weiß genau, was drin ist. Aber: Gemüse aus dem eigenen Garten ist nicht automatisch „bio“! 

Wann ist Gemüse „bio“?

Was sich offiziell „bio“ oder „öko“ nennen will, muss in Deutschland und in der EU die EU-Öko-Verordnung erfüllen. Rein rechtlich gelten selbst angebaute Tomaten ohne Zertifizierung deshalb nicht als bio, auch wenn sie nach ökologischen Prinzipien gezogen wurden. Dazu müsste beispielsweise eine lückenlose Dokumentation inklusive nachgewiesener Förderung der Bodenfruchtbarkeit erfolgen und regelmäßig durch unabhängige Kontrollen bestätigt werden. 

Doch auch ohne offizielles Bio-Siegel gilt natürlich: Gemüse aus dem eigenen Garten, das Sie ohne chemisch-synthetische Pestizide und ohne mineralischen Stickstoffdünger anbauen, entspricht im praktischen Sinne oft dem, was man landläufig unter „bio“ versteht. 

Es gibt jedoch einige Stellschrauben, die sich auf Ihren Gemüseanbau im Hobby-Garten auswirken können. 

Muss es Bio-Saatgut sein?

In der EU gilt Saatgut als „bio“, wenn es von Pflanzen stammt, deren Produktion den EU-Öko-Richtlinien entspricht. Das heißt: Es wurden nachweislich keine chemisch-synthetischen Pestizide und keine mineralischen Dünger in der Produktion der Samenpflanzen genutzt. Auch Gentechnik ist tabu. 

Vorteile von Bio-Saatgut: 

  • Weniger Chemie

Konventionelles Saatgut wird häufig gebeizt, also mit Fungiziden oder Insektiziden behandelt.
Bio-Saatgut darf diese Behandlungen nicht bekommen. Das sorgt für weniger Umweltbelastung und weniger chemische Rückstände im Garten.

  • Bio-Anbau funktioniert

Pflanzen aus Bio-Züchtung werden unter Bio-Bedingungen selektiert. Studien zeigen, dass sich Pflanzenpopulationen langfristig genetisch an Bio-Anbaubedingungen anpassen. Das heißt: Sie kommen besser ohne Pestizide und synthetischen Dünger zurecht als konventionelles Saatgut.

  • Saatgutautonomie

Die meisten konventionell gezüchteten Gemüsesorten sind Hybridsorten (F1). Sie bilden zwar Samen, aber die daraus wachsenden Pflanzen haben oft andere Eigenschaften als die Elternpflanze. Bio-Saatgut ist nicht automatisch samenfest (also sortenstabil), aber die Auswahl solcher Sorten ist größer.

ABER 

  • Bio-Saatgut sorgt nicht automatisch für gesünderes Gemüse. → Der Nährstoffgehalt hängt stärker von Boden, Sorte und Erntezeitpunkt ab.
  • Bio-Samen sind nicht automatisch robuster und gelingsicher. → Das hängt vor allem von der Sorte und von Standortfaktoren ab, nicht vom Bio-Label.

Brauche ich spezielle Bio-Erde?

Für den Ernteertrag gilt klar: Es gibt keine Studien, die Pflanzerde mit Bio-Label bessere Ergebnisse zuspricht. Hier geht es vor allem um Umweltverträglichkeit. 

Auf torffreie (oder zumindest torfarme) Erde zu achten, gehört mittlerweile zum Konsens. Torfabbau beschleunigt den Klimawandel, da dabei große Mengen des in Mooren gebundenen Kohlenstoffs freigesetzt werden. 

Viele konventionelle Pflanzerden bestehen zu bis zu 90 Prozent aus Torf. Versuche mit torffreien Substraten zeigen: Das Pflanzenwachstum kann ähnlich gut sein wie mit torfhaltiger Erde, wenn die Mischung stimmt.

Wichtig für den Gemüseanbau im eigenen Garten ist die Wahl der passenden Erde durchaus. Unsere Expertin Jen sagt dazu: „Eine Blumenerde ist nicht für Anbau für den Verzehr geeignet, beispielsweise. […] Blumenerde ist zum Schönaussehen, mit vielen Inhaltsstoffen, damit da die Blütenbildung angeregt wird.“ 

Tipps von Jen vom Gartengemüsekiosk

In unserem BKK24-Podcast „einfach gesund!“ zeigt Gartenbau-Expertin Jen vom YouTube-Account Gartengemüsekiosk live, wie die Aussaat von Tomaten und Basilikum unter bestmöglichen Bio-Bedingungen auch ohne Vorerfahrung gut gelingt.  

Am besten hören (und sehen!) Sie sich das Gespräch mit NDR-Moderator Christian Haacke selbst auf unserem YouTube-Kanal an (und überall, wo es Podcasts gibt). Eine Reihe von richtig guten Insider-Tipps haben wir außerdem hier für Sie zusammengestellt: 

Eine Reihe von richtig guten Insider-Tipps haben wir außerdem hier für Sie zusammengestellt:

  • Schritt 1: gemeinsam mit der Familie überlegen: Was würden wir gerne essen? Schritt 2: anhand des vorhandenen Platzes entscheiden, was machbar ist.
  • Gemüsesorten, die gut für den Einstieg geeignet sind:
    • Indoor: Salat
    • Balkon: z. B. Kräuter, Bohnen, Mais
    • Hochbeet: z. B. Snack-Gurken, Snack-Tomaten
  • Wer ohne Balkon in der Wohnung gärtnern möchte, kann z. B. Salat und Kräuter anbauen – sollte dann aber in spezielle Pflanzenleuchten investieren.
  • Erde sieben! „Samen wollen möglichst eine sehr feine, feinkrümelige Erde haben.“
  • Beim Aussäen in geschlossenen Räumen unbedingt für die richtige Temperatur und ausreichend Licht sorgen.
  • Saattiefe beachten: Wie tief die Samenkörner im Boden liegen sollten, steht auf der Verpackung.
  • Die gesunde Mischung macht’s, auch im Kübel oder Hochbeet: Basilikum neben Tomate oder Zucchini soll durch ätherische Öle vor Schädlingen schützen (eine alte Gartenweisheit, die jedoch nicht wissenschaftlich belegt ist).
  • Für den Anfang: „Weniger ist mehr. Mit weniger anfangen und einfach anfangen! Und dann klappt das. Das macht Spaß und auch ein bisschen süchtig.“
  • Biodünger riecht zu sehr für Balkon oder Terrasse? Alternativen sind Kleepellets oder Schafwollpellets – im Fachhandel erhältlich. 

 

 

Und was bringt eigener Gemüseanbau für die Gesundheit?

  • Mehr Bewegung an der frischen Luft
  • Höherer Konsum von frischem Gemüse
  • Kontrolle über Anbaumethoden
  • Stressabbau durch Gartenarbeit

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