„Ich war noch nie sportlich.“ – Diesen Satz hört man oft. Manchmal folgt noch ein „Dafür bin ich jetzt zu alt“ oder „Damit hätte ich früher anfangen müssen“. Die gute Nachricht: Die Wissenschaft spricht eine andere Sprache. Unser Körper und unser Gehirn bleiben erstaunlich anpassungsfähig – bis ins hohe Alter. Wer jetzt mit mehr Bewegung beginnt, profitiert ab sofort davon. Das gilt auch, wenn die letzte Sportstunde Jahrzehnte zurückliegt oder wenn Sport bislang überhaupt keine Rolle gespielt hat.
Früher herrschte die Vorstellung, dass körperliche Fähigkeiten vor allem in jungen Jahren aufgebaut werden und später kaum noch veränderbar sind. („Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“) Inzwischen hat die Wissenschaft bewiesen: Der menschliche Organismus besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Anpassung.
Schon wenige Wochen regelmäßiger Bewegung können positive Veränderungen bewirken. Muskeln werden kräftiger, das Herz-Kreislauf-System leistungsfähiger und der Stoffwechsel arbeitet effizienter. Besonders viel bringt das bei Jüngeren, die lange davon profitieren können. Doch selbst Menschen, die erst mit 60, 70 oder 80 Jahren beginnen, können ihre Fitness deutlich verbessern.
Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung unter anderem:
Kurz gesagt: Der Körper fragt nicht, wann Sie angefangen haben. Er reagiert auf das, was Sie heute tun.
Viele Menschen betrachten Sportlichkeit als eine Art angeborene Eigenschaft: Man hat sie, oder man hat sie nicht. Tatsächlich spielen genetische Voraussetzungen eine Rolle. Doch sie bestimmen längst nicht alles.
Sportwissenschaftler*innen wissen seit Langem, dass Trainingseffekte bei den meisten Menschen unabhängig vom Ausgangsniveau auftreten. Wer sich bislang wenig bewegt hat, erlebt oft sogar besonders deutliche Fortschritte. Die ersten Treppenstufen fallen leichter, Spaziergänge werden länger, die Ausdauer wächst.
Sportlichkeit ist daher weniger ein festes Persönlichkeitsmerkmal als vielmehr das Ergebnis von Gewohnheiten, Erfahrungen und regelmäßigem Training.
Oder anders formuliert: Niemand wird als Joggerin, Schwimmer oder Radfahrer geboren.
Noch einmal zurück zu dem Sprichtwort: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Es stammt aus einer Zeit, in der man über das Gehirn noch deutlich weniger wusste als heute.
Moderne Hirnforschung zeigt, dass unser Gehirn lebenslang lernfähig bleibt. Fachleute sprechen von „Neuroplastizität“. Gemeint ist die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen aufzubauen und bestehende Netzwerke anzupassen.
Das gilt nicht nur für Fremdsprachen oder Musikinstrumente, sondern auch für Bewegungen. Wer beispielsweise mit 65 erstmals Nordic Walking ausprobiert, Tanzen lernt oder regelmäßig Krafttraining macht, trainiert nicht nur Muskeln und Ausdauer. Auch das Gehirn ist aktiv beteiligt.
Neue Bewegungsabläufe fördern die Zusammenarbeit verschiedener Hirnregionen. Koordination, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit können sich verbessern. Genau deshalb profitieren ältere Menschen häufig besonders von Bewegungsformen, die Körper und Kopf gleichzeitig fordern.
Sport ist weit mehr als Muskelarbeit. Regelmäßige Bewegung kann Stress abbauen, die Stimmung heben und das Selbstvertrauen stärken.
Viele Menschen berichten, dass sie sich nach einem Spaziergang, einer Fahrradtour oder einem Workout wacher, ausgeglichener und energiegeladener fühlen. Dahinter stehen unter anderem Veränderungen im Hormon- und Nervensystem.
Zudem vermittelt Bewegung ein wichtiges Gefühl: die Erfahrung, etwas verändern zu können. Wer merkt, dass er oder sie nach einigen Wochen fitter ist als zuvor, erlebt unmittelbar, wie der eigene Einsatz Wirkung zeigt.
Viele gute Vorsätze scheitern nicht an mangelnder Motivation, sondern an zu hohen Erwartungen.
Wer nach Jahren ohne regelmäßige Bewegung sofort dreimal pro Woche joggen oder täglich eine Stunde trainieren möchte, überfordert sich selbst. Muskelkater, Frust oder kleine Verletzungen können die Folge sein.
Deutlich erfolgversprechender ist ein einfacher Ansatz: klein anfangen und dranbleiben.
Zum Beispiel:
Aus kleinen Schritten entstehen oft stabile Gewohnheiten – und genau diese machen langfristig den Unterschied.
Unterstützung bietet die BKK24 mit dem kostenlosen Coaching „Gesunde Gewohnheiten dauerhaft beibehalten“.
Die beste Sportart ist diejenige, die Freude macht und regelmäßig ausgeübt wird.
Besonders gut für den Einstieg geeignet sind:
Wichtig ist weniger die perfekte Trainingsmethode als die Regelmäßigkeit. Bewegung darf fordern, sollte aber nicht dauerhaft überfordern.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen regelmäßige Bewegung sowie muskelkräftigende Aktivitäten an mehreren Tagen pro Woche. Gleichzeitig betonen Fachleute einen wichtigen Punkt: Auch wer diese Empfehlungen noch nicht erreicht, profitiert bereits von mehr Bewegung im Alltag.
Zwischen „gar nichts tun“ und „optimal trainieren“ liegt ein großes Feld. Jeder zusätzliche Spaziergang, jede Treppe und jede Fahrradtour kann einen Beitrag zur Gesundheit leisten.