Smartphone-Check

Wie gesund ist Ihre Mediennutzung?

Gesundheits-Check für Handy & Co.: Was Social Media mit uns machen – und wie es besser geht.

Smartphone, Tablet, Smartwatch, Social Media: Digitale Medien begleiten uns heute fast rund um die Uhr. Sie informieren, unterhalten, verbinden uns mit anderen Menschen und erleichtern den Alltag. Gleichzeitig stellen sich viele Fragen: Wie viel Bildschirmzeit ist noch okay? Ist es gesundheitlich bedenklich, ständig zum Handy zu greifen? Und welche Auswirkungen hat die digitale Welt auf unsere Konzentration, unseren Schlaf und unsere psychische Gesundheit?

Hintergrundwissen zum Hören

Der Sozial- und Medienpädagoge Clemens Beisel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen Themen. In seinen Workshops, Vorträgen und dem Präventionsprogramm „Clemens hilft“ begleitet er Familien, Schulen und Fachkräfte beim gesunden Umgang mit digitalen Medien. Seine Ansätze erklärt er im BKK24-Podcast „einfach gesund!“ im Gespräch mit NDR-Moderator Christian Haacke.

Nicht nur die Bildschirmzeit zählt

Wer wissen möchte, wie intensiv das Smartphone genutzt wird, schaut oft zuerst auf die tägliche Bildschirmzeit. Doch diese Zahl allein sagt wenig aus.

„Man muss genau hinschauen, was Menschen mit ihrer Bildschirmzeit machen“, betont Clemens Beisel.

Eine Stunde Videotelefonat mit der Freundin, das Erstellen eines Fotobuchs oder das Lernen mit einer Sprach-App haben eine andere Wirkung als eine Stunde endloses Scrollen durch soziale Netzwerke. Entscheidend sind deshalb nicht nur Dauer, sondern auch Inhalte, Nutzungsgewohnheiten und die persönliche Lebenssituation.

WARUM WIR STÄNDIG ZUM HANDY GREIFEN

Viele Menschen kennen das: Das Smartphone liegt griffbereit und wird automatisch immer wieder entsperrt – oft ohne konkreten Anlass.

Dafür gibt es psychologische Gründe. Benachrichtigungen, Likes oder neue Nachrichten wirken wie kleine Belohnungen. Unser Gehirn weiß nie genau, wann etwas Interessantes passiert. Gerade dieser Kick der Unvorhersehbarkeit sorgt dafür, dass wir immer wieder nachsehen.

Muster zu erkennen und als Zeit-Killer zu entlarven, ist der erste Schritt, um sie erfolgreich zu durchbrechen. Denn es gibt gute Gründe, die gegen allzu intensive Handynutzung sprechen.

Schlaf: Der wichtigste Gesundheitsfaktor

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen intensiver Mediennutzung beim Schlaf.

Studien weisen darauf hin, dass viele Kinder und Jugendliche und auch Erwachsene zu wenig schlafen. Fehlender Schlaf führt unter anderem zu:

  • Konzentrationsproblemen
  • verminderter Leistungsfähigkeit  
  • erhöhter Reizbarkeit
  • psychischen Belastungen
  • geringerer Stressresistenz 

Das Problem liegt häufig nicht bei der reinen Bildschirmzeit, sondern bei der Nutzung am Abend. Nachrichten, Videos und andere Social-Media-Beiträge wirken einem allmählichen zur Ruhe kommen oft entgegen. 

TIPP FÜR DIE GANZE FAMILIE

Digitale Geräte sollten möglichst nicht mit ins Bett genommen werden. Nicht nur für Kinder und Jugendliche empfiehlt sich eine handyfreie Nacht. Am besten, das Smartphone bleibt gewohnheitsmäßig an einem festen Platz außerhalb des Schlafzimmers.

Hier gibt es weitere Tipps für gesunden Schlaf von Prof. Dr. Peter Schulte.

Push-Nachrichten: Kleine Unterbrechungen mit großer Wirkung

Auch die Anzahl der Unterbrechungen spielt psychologisch eine Rolle.

Jede Benachrichtigung reißt uns kurz aus unserer aktuellen Tätigkeit heraus. Häufen sich diese Unterbrechungen, kann das zu mehr Stress, Unruhe und geringerer Konzentration führen.

Praktische Empfehlung

Überprüfen Sie regelmäßig:

  • Welche Apps dürfen Benachrichtigungen senden?
  • Welche Meldungen sind wirklich wichtig?
  • Wie können Werbe- oder Social-Media-Mitteilungen deaktiviert werden? 

Viele Menschen berichten von deutlich mehr Ruhe im Alltag, nachdem sie Push-Nachrichten stark eingegrenzt haben.

 

SOCIAL MEDIA: CHANCEN UND RISIKEN

Soziale Netzwerke bieten viele Vorteile:

  • Kontakt zu Freund*innen und Familie
  • Zugang zu Wissen und Bildung
  • Inspiration für Hobbys und Interessen
  • Austausch mit Gleichgesinnten 

Gleichzeitig bergen sie Risiken. Die Plattformen sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Schließlich liegt das Eigeninteresse der Betreiberfirmen darin, möglichst viele Kontaktpunkte für zahlende Werbekundschaft zu schaffen. Algorithmen zeigen deshalb Inhalte, die besonders emotional oder interessant erscheinen – unabhängig davon, ob sie hilfreich oder verlässlich sind.

Das fördert die Entstehung von:

  • Informationsblasen („Filterblasen“/“Bubbles“)
  • unrealistischen Schönheitsidealen
  • ständigem sozialen Vergleich
  • Angst, etwas zu verpassen (FOMO – Fear of Missing Out)
  • Verunsicherung durch Falschinformationen 

Besonders Jugendliche sind davon betroffen, da soziale Medien ein wichtiger Teil ihrer Lebenswelt sind.

Was Medien mit unserer Konzentration machen

Viele digitale Angebote setzen auf kurze, schnell wechselnde Inhalte. Besonders Kurzvideo-Plattformen (TikTok, Snapchat, zunehmend auch Instagram und YouTube) trainieren das Gehirn darauf, ständig neue Reize zu erwarten.

Die Forschung untersucht derzeit intensiv, welche langfristigen Auswirkungen dies auf Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit hat. Klar ist bereits: Häufige Ablenkungen erschweren längere Phasen konzentrierten Arbeitens oder Lernens.

Mini-Check

Fragen Sie sich:

  • Wie oft nehme ich mein Smartphone pro Stunde in die Hand?
  • Greife ich aus Gewohnheit oder mit einem konkreten Ziel zum Gerät?
  • Unterbreche ich mich selbst regelmäßig? 

Allein diese Beobachtung kann helfen, bewusster mit digitalen Medien umzugehen.

Medienzeit verdrängt andere gesunde Aktivitäten

Ein wichtiger Aspekt wird oft übersehen: Zeit kann nur einmal genutzt werden.

Wer viele Stunden täglich am Bildschirm verbringt, hat automatisch weniger Zeit für:

  • Bewegung/Sport
  • persönliche Begegnungen
  • Hobbys
  • Entspannung
  • ausreichend Schlaf 

Deshalb geht es beim gesunden Umgang mit Medien nicht um Verbote, sondern um eine ausgewogene Balance.

WAS ELTERN TUN KÖNNEN

Kinder lernen Mediennutzung vor allem durch Beobachtung. Eltern sind daher die wichtigsten Vorbilder.

Der Sozial- und Medienpädagoge Clemens Beisel bietet unter dem Label „Clemens hilft“ sogenannte Digitale Elternabende an. In hilfreichen Videoformaten erfahren Erziehungsberechtigte von Kita- bis Schulkindern Ratschläge und Hintergrundinformationen für eine gesunde Medienerziehung. Die Zugangsdaten zu Ihrem Digitalen Elternabend erhalten Sie unter www.bkk24.de/clemens-hilft.

Empfehlenswerte Familienregeln

✔ Gemeinsame Mahlzeiten ohne Smartphone
✔ Handyfreie Zeiten im Tagesablauf
✔ Interesse an den genutzten Apps zeigen
✔ Regelmäßig über Online-Erlebnisse sprechen
✔ Medien nicht als Belohnung oder Strafe einsetzen
✔ Inhalte gemeinsam entdecken statt nur kontrollieren

„Je später ein eigenes Smartphone kommt, desto besser“, sagt Clemens Beisel. Entscheidend sei jedoch immer die individuelle Situation des Kindes und eine gute Begleitung durch die Eltern.

Fünf einfache Ideen für einen gesünderen Medienalltag

1. Das Smartphone auf Schwarz-Weiß stellen

Farben und Symbole erhöhen die Aufmerksamkeit. Ein Graustufen-Modus macht viele Apps deutlich weniger reizvoll – und erhöht damit automatisch die Bereitschaft, es beiseite zu legen.

2. Einen medienfreien Tag ausprobieren

Ein gemeinsamer Familientag ohne Social Media kann überraschend entspannend sein. Beobachten Sie sich selbst, wie viel mehr Zeit sie dabei haben und wie Sie sie nutzen.

3. Den eigenen Feed kritisch betrachten

Welche Inhalte tauchen tatsächlich auf? Was ist hilfreich – und was eher Zeitverschwendung?

4. Benachrichtigungen reduzieren

Nur wirklich wichtige Apps sollten aktiv stören dürfen.

5. Handyfreie Schlafzimmer etablieren

Eine der wirksamsten Maßnahmen für besseren Schlaf und mehr Erholung.


FAZIT: BEWUSST STATT STÄNDIG ONLINE

Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen können viel bewirken. Wer seine Gewohnheiten regelmäßig hinterfragt, Benachrichtigungen reduziert, auf ausreichend Schlaf achtet und bewusst digitale Pausen einlegt, schafft die Grundlage für einen gesunden Umgang mit Smartphone und Social Media.

Denn nicht die Technik entscheidet über unsere Gesundheit – sondern die Art, wie wir sie nutzen.


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