Gesundheit in der Klimakrise

8 Bereiche, auf die wir selbst Einfluss haben

Wer jetzt lernt, sich auf die neuen Gesundheitsrisiken einzustellen, kann Gefahren minimieren. Denn es hilft ja nichts: Der Klimawandel ist da, und er verändert auch die Bedingungen, unter denen wir gesund bleiben. Dabei ist extreme Hitze nur die offensichtlichste Auswirkung. Andere gesundheitliche Herausforderungen kommen schleichender: eine längere Pollensaison, neue Krankheitserreger, mehr UV-Belastung. Wir zeigen, wo sich genaueres Hinschauen jetzt auszahlt. 

1. Infektionen: Zecken und Mücken im Blick behalten

Wärmere Temperaturen verbessern die Lebensbedingungen von Zecken und bestimmten Stechmücken. Damit verändern sich auch die Häufigkeiten und Verbreitungsgebiete von Krankheiten, die diese Tiere verursachen. Das Verbreitungsgebiet der durch Zecken übertragenen FSME wird mit jedem Jahr größer. Ein weiteres Beispiel ist die Asiatische Tigermücke, die sich in Deutschland zunehmend ausbreitet und zumindest potenziell ernsthafte Erkrankungen auslösen kann, die hierzulande bislang unbekannt waren.

Was wir tun können: Tragen Sie bei Aufenthalten im Grünen lange Kleidung und suchen Sie danach den Körper nach Zecken ab. Werden Sie fündig, entfernen Sie Zecken möglichst schnell: das minimiert das Übertragungsrisiko von Borreliose. Informieren Sie sich über die regional empfohlenen Impfungen (FSME) und treffen Sie eine Entscheidung. Gegen Mücken helfen Insektengitter vor den Fenstern, im Freien nur Insektenschutzmittel. Beseitigen Sie möglichst alle kleinen Wasseransammlungen rund ums Haus bzw. tauschen Sie das Wasser in Vogeltränken spätestens alle drei Tage aus.

Weitere Infos haben wir hier zusammengestellt: Mückenverbreitung eindämmen und Krankheitsrisiko Zecken. 

2. Allergien: Die Pollensaison neu denken

Der Winter wird milder. Die Temperaturen gehen früher im Jahr nach oben und später nach unten. Gräser und Kräuter haben eine längere Blühspanne. Längere Dürreperioden reizen Bäume und Sträucher mitunter zu vermehrter Blüte und Fruchtbildung (Trockenstressreaktion) oder zu einer Nachblüte im Herbst. Ohne Regen ist die Pollenbelastung in der Luft ebenfalls höher. Für Menschen mit Heuschnupfen bedeutet der Klimawandel daher oft: früherer Start, längere Saison, intensivere Pollenbelastung. Auch neue allergene Pflanzen breiten sich unter veränderten klimatischen Bedingungen aus. Allergische Reaktionen beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Leistungsfähigkeit. Sie können bestehende Krankheiten wie Asthma verschlimmern oder Infektionen begünstigen. 

Was wir tun können: Nehmen Sie Rücksicht auf Betroffene. Wenn Sie selbst allergisch reagieren, nutzen Sie Pollenflugvorhersagen, um Aktivitäten im Freien bei hoher Belastung zu vermeiden. Bringen Sie Ihre Outdoorkleidung nicht in Ihre Wohnräume, trocknen Sie Ihre Wäsche nicht draußen und verlegen Sie das Duschen auf die Abendstunden. Denken Sie über Pollenschutzgitter an den Fenstern nach, die auch Insekten draußen halten. Wer regelmäßig unter starken Symptomen leidet, sollte sie ärztlich abklären lassen.

3. Sonne: Direkte Strahlung meiden

UV-Strahlung ist unabhängig von der Lufttemperatur ein Gesundheitsrisiko. Sie ist die wichtigste Ursache für Hautkrebs. In Deutschland erkranken jährlich Hunderttausende Menschen neu.

Was wir tun können: Denken Sie nicht erst bei 30 Grad an Sonnenschutz! Viele Wettervorhersagedienste liefern auch einen UV-Index und warnen bei besonders hohen Werten. Davon unabhängig meiden Sie im Sommer die Mittagssonne und bleiben Sie generell am besten im Schatten. Kleidung und Sonnenbrille schützen. Unbedeckte Haut sollten Sie bei längeren Aufenthalten im Freien nicht nur im Sommer mit geeigneten Mitteln behandeln. Besonders am Wasser, in den Bergen und bei Schnee intensiviert sich die UV-Belastung. 

Allerdings wichtig, besonders für Herbst, Winter und Frühjahr: Ganz vermeiden sollten wir die Sonnenstrahlen nicht. Ein gewisses Maß an UV-Strahlung benötigt der menschliche Organismus zur Herstellung von Vitamin D. Erfahren Sie mehr darüber in unserem Gesundheitsratgeber. 

4. Hitze: Den Körper nicht unnötig stressen

Heiße Tage und insbesondere warme Nächte werden häufiger. Besonders sogenannte tropische Nächte mit Temperaturen von mindestens 20 Grad können den Schlaf beeinträchtigen. Das ist nicht nur unangenehm: Dauerhaft schlechter Schlaf ist schlecht für die Gesundheit, wie Studien zeigen, und kann unter anderem Konzentration, Stimmung und körperliche Erholung beeinträchtigen. Hitze, vor allem in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit, belastet generell unter anderem Herz und Kreislauf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen, die körperlich im Freien arbeiten.

Was wir tun können: Behalten Sie die Wettervorhersage im Blick. Planen Sie rechtzeitig, um an heißen Tagen körperliche Anstrengung in die kühleren Stunden zu verlegen. Trinken Sie ausreichend. Meiden Sie direkte Sonne und halten Sie Räume möglichst kühl – vor allem das Schlafzimmer. Lüften Sie erst, wenn es draußen kälter als drinnen ist. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sie an einem kühlen Ort aufbewahren und sich ärztlich beraten lassen, ob bei großer Hitze Besonderheiten zu beachten sind.

5. Luft: Ozonwerte im Blick behalten

Hitze und intensive Sonneneinstrahlung begünstigen die Bildung von bodennahem Ozon. Als sogenannter sekundärer Luftschadstoff setzt es sich aus anderen Stoffen zusammen, die unter anderem aus Verkehr, Industrie und Lösungsmitteln stammen. Mit bloßem Auge ist Ozon nicht sichtbar. 

Das Problem: Ozon ist ein stark reaktives Reizgas. Es reizt Augen und Schleimhäute, kann Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden auslösen und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen reagieren besonders empfindlich. 

Was wir tun können: Nutzen Sie eine Wettervorhersage, die Ihnen auch die aktuellen Ozonwerte mitteilt oder zumindest bei hoher Belastung warnt. Ist dies der Fall, verlegen Sie an Tagen mit hoher Ozonbelastung anstrengende Aktivitäten möglichst auf den frühen Morgen oder Abend. Wer Asthma oder eine andere chronische Atemwegserkrankung hat, sollte seinen individuellen Notfallplan kennen.

6. Wasser und Lebensmittel: Bei Wärme genauer hinschauen

Höhere Temperaturen können auch die Qualität von Wasser und Lebensmitteln beeinflussen. Zudem können sich bei warmem Wetter bestimmte Mikroorganismen schneller vermehren. Salmonellen und andere Erreger aus verderblichen Lebensmitteln erreichen rascher ein kritisches Level. Das Umweltbundesamt zählt veränderte Risiken für Trinkwasser und Lebensmittel ausdrücklich zu den indirekten Gesundheitsfolgen des Klimawandels. In Badegewässern sind beispielsweise Blaualgen ein potenzielles Problem, das ernst genommen werden muss.

Was wir tun können: Achten Sie auf die Einhaltung von Kühlketten. Lagern Sie Lebensmittel kühl und lassen Sie insbesondere leicht verderbliche Ware nicht lange warm stehen. Beachten Sie bei außergewöhnlichen Wetterlagen (lange Hitzeperioden, aber auch nach Starkregen) lokale Hinweise zu Trinkwasser und Badegewässern. Behalten Sie generell Warnhinweise zu Gewässerqualität und Blaualgen im Blick.

7. Extremwetter: Einen persönlichen Plan haben

Starkregen, Überschwemmungen und Hagelschlag werden durch die Erderwärmung wahrscheinlicher. Sowohl Häufigkeit als auch Heftigkeit solcher Extremereignisse steigen gemeinsam mit den Temperaturen. Ein Grund: Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Wenn sich diese feuchte Luft abkühlt, können innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen zusammenkommen. Mitunter entstehen aus Bächen reißende Flüsse. Straßen, Keller und Grundstücke können innerhalb weniger Minuten überflutet werden. Für die Gesundheit bedeutet das mehr als nasse Füße: Zum akuten Verletzungsrisiko können nachwirkende psychische Folgen hinzukommen. Darüber hinaus können Trinkwasser verunreinigt werden und Strom- und Verkehrsnetze ausfallen. 

Was wir tun können: Aktivieren Sie Warn-Apps (z.B. „Nina“ und/oder „WarnWetter“). Informieren Sie sich, wo Sie bei Unwetter Schutz finden können. Halten Sie wichtige Medikamente und Dokumente griffbereit. Überlegen Sie sich, wer in der Familie oder Nachbarschaft im Notfall Hilfe braucht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt in seiner Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“  einen Vorrat an Trinkwasser und Nahrungsmitteln für möglichst zehn Tage anzulegen und Notgepäck samt Schlüssel, Mobiltelefon und Geldbörse stets griffbereit zu halten. Vorbereitung nimmt Ihnen das Ereignis nicht ab – aber sie kann das Gefühl von Hilflosigkeit reduzieren.

8. Aktiver Klimaschutz: Unsere größte Chance

Anpassung an neue Gegebenheiten ist wichtig. Noch wichtiger aber ist, die Erderwärmung nicht weiter voranschreiten zu lassen. Klimaschutz ist zugleich Gesundheitsschutz. 

Dabei geht es nicht darum, dass jeder Mensch seinen persönlichen CO₂-Fußabdruck perfektioniert. Wirksamer Klimaschutz entsteht vor allem dort, wo sich viele Dinge verändern: bei Energieversorgung, Verkehr, Gebäuden, Landwirtschaft und Stadtplanung. Aber auch persönliche Entscheidungen können Teil dieser Veränderung sein – etwa öfter zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein, Energie zu sparen oder häufiger pflanzlich zu essen.

Was wir tun können: Lassen Sie uns unseren eigenen Handlungsspielraum nutzen und dort aktiv werden, wo Veränderungen gemeinsam möglich sind – im Betrieb, im Verein, in der Lokalpolitik oder in der Nachbarschaft. Über Klimawandel zu reden, ist ein wichtiger erster Schritt. Denn Selbstwirksamkeit heißt nicht, die Klimakrise allein lösen zu müssen. Sie bedeutet, den eigenen Einfluss zu erkennen und zu nutzen.

Kennen Sie schon unsere Klima-Challenge? Unser Aufgabenheft zeigt Ihnen 16 kleine Herausforderungen im Alltag, bei denen Sie eine klimafreundlichere Entscheidung treffen können. Mehr Informationen: www.bkk24.de/klima-challenge 

Klimaanpassung beginnt im Kleinen

Nicht jede Klimafolge lässt sich persönlich beeinflussen. Aber wir können unseren Umgang mit den Risiken verändern. Wer Warnzeichen kennt, sich vorbereitet und ein paar Gewohnheiten anpasst, gewinnt Handlungsspielraum.

Das ist keine Frage von Angst oder Alarmismus. Einen Regenschirm besitzen die meisten von uns ja auch. Es ist schlicht eine neue Form von Gesundheitsvorsorge. Wir müssen nicht auf jedes veränderte Wetter reagieren. Aber wir sollten wissen, bei welchem Wetter wir genauer hinschauen müssen.


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